Institut für Gesundheit, Sicherheit und Ergonomie im Betrieb

Qualitätsunterschiede von Analyseverfahren anhand von Legosteinen erklärt

Die Schwierigkeiten, die mit unzulänglichen Messinstrumenten verbunden sind, haben Univ Prof. Tuulia Ortner und Martina Molnar im Rahmen von zwei Vorträgen in Klagenfurt (3-Länder-Tagung Gesundheitsfördernder Hochschulen, 7/2018, Klagenfurt) und Salzburg (Psychologie der Arbeitssicherheit und Gesundheit, 9/2018, Salzburg) erläutert:


Zur Analyse von Arbeitsbedingungen werden viele unterschiedlich gute Verfahren eingesetzt:

  • Es ist aber oft unbekannt, dass es für die wissenschaftlich fundierte Konstruktion von Erhebungsinstrumenten Standards gibt.
  • Es werden u.a. Erhebungsverfahren (Fragebögen) genutzt, deren Messgegenstand, Messgenauigkeit und diagnostischer Wert unklar ist.
  • Die Bewertung und Auswahl von Verfahren erfolgt oftmals nur nach dem Augenschein („die Items gefallen mir / gefallen mir nicht“ oder „mehr Fragen bringen mehr Information“ oder „bei Mittelwerten kenne ich mich aus“).
  • Erhebungen, die Interpretationen von Ergebnisdaten und abgeleitete Maßnahmen stehen daher häufig auf unsicherem Boden.

Was sagt der Steuerkreis des GDA-Arbeitsprogramms Psyche (2017) zu diesem Thema?

In der Zeitschrift „Sicher ist sicher 4/2017“ erschien der Beitrag „Instrumente und Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung“. Es wird über eine Erhebung bei den GDA-Trägerorganisationen und Sozialpartnern berichtet. Deren Ziel war es, Informationen über die von ihnen angebotenen Instrumente und Verfahren zu sammeln. Insgesamt meldeten hier Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, einzelne Betriebe und Sozialpartner 28 Verfahren, von denen nach Selbstauskunft der befragten Organisationen nur 10 wissenschaftliche Gütekriterien einhalten.

Im Artikel wird kritisch angemerkt „…, dass das Ziel einer konvergenten Ausrichtung der Instrumente/Verfahren entlang der vereinbarten Qualitätsgrundsätze noch nicht zufriedenstellend erreicht ist (S. 1) und „Seitens der GDA-Träger sind daher weitergehende Konkretisierungen der Qualitätsgrundsätze sowie entsprechende Weiterentwicklungen der Instrumente/Verfahren erforderlich.“ (S. 2).


Der Unterschied zwischen fundierten und ungesicherten Verfahren anhand von Lego-Steine
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Die anschauliche Erklärung finden Sie in dieser Präsentation, die im Rahmen der 3-Länder-Tagung D_A_CH der Netzwerke Gesundheitsfördernde Hochschulen vorgetragen wurde: Wenn der Schlüssel nicht zum Schloss passt, bleibt die Türe zu

Wie können sich Unternehmen, Betriebsräte, Fachkräfte, Beratungsunternehmen zur Qualität von Verfahren besser absichern? Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen hat gemeinsam mit dem ZPID an der Universität Trier die Website www.psybel-expert.info eingerichtet. Dort finden Sie dieses kurze Formular: Lassen Sie es von Dienstleistern ausfüllen und unterschreiben, wenn Sie sich beim Einsatz von Verfahren zur Ermittlung und Beurteilung psychischer Belastung absichern möchten: Anbieter-Erklärung zur Qualität eines angebotenen / einzusetzenden Verfahrens zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung