Evaluierung arbeitsbedingter
psychischer
Fehlbelastungen
Anforderungen und Leitfaden der Arbeitsinspektion
Was sind arbeitsbedingte psychische Fehlbelastungen?
1. Einige Beispiele
2. Was bringt die Evaluierung arbeitsbedingter
psychischer Fehlbelastungen?
Inhalte und Methoden zur Ermittlung und Beurteilung von arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen
1. Die vier Dimensionen arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen
2. Erhebungs- und Beurteilungsverfahren
Wie kann humanware Sie bei der Evaluierung von arbeitsbedingten psychischen Belastungen unterstützen?
1. Beratung und Schulung zur Evaluierung
2. Durchführung der Evaluierung
Unsere fachlichen Kompetenzen
Literatur
Fachbegriffe
Anforderungen und Leitfaden der Arbeitsinspektionen
Die österreichischen Arbeitsinspektionen achten verstärkt auf die Ermittlung und Beurteilung von psychischen Fehlbelastungen in den Betrieben. Details dazu finden Sie auch auf der Website der Arbeitsinspektion:
Im Rahmen eines Schwerpunktprojektes der Arbeitsinspektion (Leitung: Dr. Elsbeth Huber) wurde in Kooperation mit einem Team von externen Arbeitspsychologinnen unter der Leitung von Mag. Martina Molnar ein Leitfaden für die Arbeitsinspektion zur Bewertung der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastung erstellt.
Der Leitfaden beschreibt die Ziele, die Aufgaben und das Vorgehen der Arbeitsinspektionen bei ihrer Kontroll- und Beratungstätigkeit. Er soll auch Orientierung für Betriebe (ArbeitgeberInnen, ArbeitnehmerInnen, Betriebsrat, Präventivfachkräfte und sonstige Fachleute, insbesondere ArbeitspsychologInnen) bei der Durchführung der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen bieten.
Was sind arbeitsbedingte psychische Fehlbelastungen?
Jede Arbeit ist mit physischen und psychischen Anforderungen verbunden. Sind diese Anforderungen von den betroffenen Personen zu bewältigen, liegen keine Fehlbelastungen vor. Stoßen diese Anforderungen aber ständig an menschliche Grenzen, dann treten Fehlbelastungen auf. Dies beeinträchtigt die Leistung, das Befinden, die Gesundheit und die Sicherheit.
Einige Beispiele
Lärm: Durch den Lärm der sommerlich weit geöffneten Eingangstüre einer Bäckerei an einer Hauptverkehrsstraße kann das Verkaufspersonal die Wünsche der KundInnen kaum verstehen. Das Personal schreit laut, die KundInnen auch. Es kommt immer wieder zu Missverständnissen und Ärger.
Fehlende Einschulung: Der neue Mitarbeiter im Verkauf wird ohne Einschulung in die Produkte mit den KundInnen allein gelassen. Er fühlt sich massiv überfordert und kann seine Leistung nicht in vollem Umfang erbringen.
Schlechte Sicht und Softwareprobleme: Die Lagerarbeiterinnen müssen in einer schwach beleuchteten Lagerhalle jeden Vormittag Zahlencodes von Paketen ablesen und unter Zeitdruck bis zu Mittag in ein Softwareprogramm eintragen, das oft „abstürzt“. Es passieren häufig Ablese- und Eingabefehler. Verzögerungen in der Auftragsabwicklung sind die Folge.
Informationsüberlastung: In einer Warte treten im Alarmfall alle 3 Sekunden neue Alarme auf dem Bildschirm auf, die vom Mitarbeiter registriert und behandelt werden müssen. Zugleich läutet immer wieder auch noch das Telefon. Es werden Alarme übersehen und falsche Entscheidungen getroffen.
Was bringt die Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen?
Die hier beschriebenen arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen könnten rasch und kostengünstig behoben werden und die betroffenen Personen könnten ihre Arbeit besser, effizienter und zufriedener erledigen.
Bei arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen geht es zu 90% um viele kleine Mängel, die aber längerfristig große Frustration auslösen.
In Zeiten steigender Arbeitsanforderungen sowie dem zunehmenden Älterwerden der Bevölkerung und der Beschäftigten ist betriebliche Gesundheitsförderung ein Thema. Es sind genau die hier beschriebenen Dinge, die den Menschen die Arbeit schwerer machen, als es sein müsste.
Inhalte und Methoden zur Ermittlung und Beurteilung von arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen
Die vier Dimensionen arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen
Die Evaluierung muss also potentielle psychische Fehlbelastungen ermitteln, die durch Arbeitsbedingungen verursacht werden. Dazu sind Methoden anzuwenden, die folgende vier Dimensionen der Arbeitsbedingungen erfassen:
- Merkmale der Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten
- Merkmale des Sozial- und Organisationsklimas
- Merkmale der Arbeitsumgebung
- Merkmale der Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation
Erhebungs- und Beurteilungsverfahren
Grundsätzlich braucht jede Evaluierung eine systematische Erhebungs- und Beurteilungsmethode, die alle potentiellen Belastungen erfasst und beurteilbar macht. Dazu gibt es:
- Methoden der MitarbeiterInnen-Befragung (IMPULS-Test, Merkblatt zur Evaluierung psychischer Belastungen, etc.)
- ExpertInnen-Verfahren (z.B. VERA/RHIA, etc.)
- Spezielle Verfahren für spezifische Tätigkeiten und Belastungsformen (z.B. Krankenaus, Wartenarbeit, etc.)
Je nach Verfahren sind unterschiedliche Qualifikationen für die Anwendung erforderlich. Es muss mit dem Betrieb entschieden werden, welche Möglichkeiten am besten passen.
Wie kann humanware Sie bei der Evaluierung von arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen unterstützen?
Entsprechend der gesetzlichen Anforderungen umfasst die Evaluierung folgende Aktivitäten:
- Ermittlung und Beurteilung von psychischen Belastungen bzw. potentiellen Fehlbelastungen (§ 4 ASchG sowie auch § 23 KJBG, § 2a MSchG)
- Maßnahmen zur Reduktion der festgestellten Belastungen gemäß der gesetzlichen Bestimmungen (§§ 3,4, 5, 7 ASchG)
- Dokumentation für die Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente (§ 5 ASchG)
humanware kann Sie bei der Umsetzung der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen in unterschiedlicher Form kompetent unterstützen:
Beratung und Schulung zur Evaluierung von arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen
- humanware berät Sie gerne bei der Planung und Organisation sowie Auswahl geeigneter Vorgehensweisen zur Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen in Ihrem Betrieb.
- Innerbetriebliche Vortrags- und Schulungsmaßnahmen rund um das Thema der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen können maßgeschneidert an Ihren Bedarf angepasst werden.
Durchführung der Evaluierung von arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen
Entsprechend der rechtlichen Vorgaben und der betrieblich vorhandenen Ausgangsbedingungen (Branche, Tätigkeiten, Organisationsform, Anzahl der Beschäftigten etc.) kann humanware die Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen auch für Ihr Unternehmen durchführen. Diese umfasst zwei Schritte:
1. Beratung und Festlegung der Methoden
Beratung zur Festlegung der im Betrieb anzuwendenden Erhebungs- und Beurteilungsmethoden. Auf dieser Basis wird ein Angebot entworfen.
2. Durchführung der Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen
Diese umfasst folgende Schritte:
- Vorbereitungen mit den EntscheidungsträgerInnen
- Erhebungsdurchführung (Ermittlung nach § 4 ASchG) mit den festgelegten Methoden
- Ergebnisauswertung und Interpretation (Beurteilung nach § 4 ASchG)
- Besprechung bzw. Maßnahmenfestlegung (§ 5 ASchG) mit den EntscheidungsträgerInnen
- Dokumentation im Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument (§ 5 ASchG)
Unsere fachlichen Kompetenzen
Das Thema arbeitsbedingte psychische Fehlbelastungen gehört seit vielen Jahren zu den arbeitspsychologischen Kernkompetenzen von humanware. Die Geschäftsführerin, Frau Mag. Molnar …
- war 2010 Leiterin der arbeitspsychologischen Beratungsgruppe (gemeinsam mit Mag. B. Gruber, Mag. S. Hickel) bei der Entwicklung des Leitfadens für die Arbeitsinspektion
- ist seit 2002 federführend verantwortlich für die Konzeption (erste Fassung mit Mag. B. Gruber, Mag. C. Haiden) und Weiterentwicklung aller IMPULS-Tools. Deren Gegenstand ist die Ermittlung von arbeitsbedingten Stressoren und Ressourcen (=psychische Belastungen). Alle Tools finden Sie unter www.impulstest.at. Der IMPULS-Test wird auch seitens der Arbeitsinspektionen als geeignetes Verfahren zur Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen anerkannt.
- führt seit Jahren betriebliche Projekte zur Ermittlung und zum Management von arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen bzw. Stress durch, wie sie beispielsweise in diesem Artikel dargestellt werden.
- verfasste 1999 gemeinsam mit dem Arbeitspsychologen Dr. Herbert Friesenbichler das Merkblatt zur Evaluierung psychischer Belastungen im Rahmen der AUVA-Serie „Gefahren ermitteln und beseitigen“ (Testtheoretische Untersuchung durch Karina Pelzl, Univ. Graz, 2000)
- ist seit vielen Jahren in der arbeitspsychologischen Aus- und Fortbildung von Studierenden (Universität Wien, Fakultät für Psychologie) und von ArbeitspsychologInnen (Curriculum des Berufsverbandes österr. ArbeitspsychologInnen und Psychologen) tätig. Es gibt zahlreiche Forschungsarbeiten, Publikationen und Vorträge auf diesem Gebiet, beispielsweise die Präsentation der IMPULS-Tools bei einer Tagung der Europäischen Arbeitsinspektionen (Senior Labour Inspectors Committee) zum Thema „Psychische Belastung“ in Stockholm, 2009.
Literatur
Molnar M., Friesenbichler H.: (1998): Merkblatt E 14, Psychische Belastungen. Gefahren ermitteln und beseitigen. Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, Wien.
Molnar, M., Geißler-Gruber, B. und Haiden, C. (2011): IMPULS-Broschüre und IMPULS-Test. Betriebliche Analyse der Arbeitsbedingungen. WKÖ, AK, ÖGB, AUVA (Hrsg.), gefördert von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, 17. erweiterte Auflage 2011, Wien.
Molnar, M., Gruber B., Hickel S. (2011): Leitfaden für die Arbeitsinspektion zur Bewertung der
Evaluierung arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen bei der Kontroll- und Beratungstätigkeit. In Zusammenarbeit mit ArbeitsinspektorInnen (Leitung: E. Huber), i.A. des BMASK.
Molnar M. (2010): Psychische Belastungen: Evaluierung – Vorbeugung – Arbeitsgestaltung. In: Ausbildung zur Sicherheitsfachkraft. 5. Auflage. Bohmann-Verlag
Molnar, M. (2010): Im Betrieb läuft es unrund. In: "Sichere Arbeit 5/2010. Internationales Fachmagazin für Prävention in der Arbeitswelt." Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (Hg.), Wien, 27-32.
Molnar, M., (2011): Evaluierung arbeitsbedingter psychischer (Fehl-)Belastungen – Praktische Bedeutung für die Arbeitsinspektionen. In: „Handbuch ArbeitnehmerInnenschutzgesetz“, Wien: WEKA-Verlag GmbH,
ÖNORM EN ISO 10075, 1-3 (2000). Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung.
Richter. G. (2010): Toolbox Version 1.2. Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen. Forschung Projekt F 1965. BAUA (Hg.), Dortmund/Berlin/ Dresden.
Richter, G., Friesenbichler, H., Vanis, M. (2004): Psychische Belastungen: Checklisten für den Einstieg. In: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz, Teil 4. AUVA; BAUA, SUVA. (Hg.) InfoMedia-Verlag, Tharandt.
Fachbegriffe
Evaluierung psychischer Belastung / Fehlbelastung, psychische Beanspruchung / Fehlbeanspruchung, Stress, Arbeitsstress, Stressor, bedingungsbezogenes Stress-Modell, Verhältnisprävention, Stressprävention, betriebliche Gesundheitsförderung psychischer Gesundheit
