Institut für Gesundheit, Sicherheit und Ergonomie im Betrieb

Was hat Arbeitsstress mit Rückenschmerzen zu tun?

von: Humanware, 24. 02. 2020

 

Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, wie Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfälle, stellen die häufigste beruflich bedingte Gesundheitsbelastung in Europa dar1 und sind einer der Hauptgründe für Krankschreibungen. Im Jahr 2018 sorgten sie in Österreich insgesamt für 602.045 Krankenstandsfälle, welche im Durchschnitt 15,4 Tage dauerten.2 Damit waren Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates in diesem Jahr für mehrere Millionen Fehltage verantwortlich! 

Die europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gab in ihrem Report aus dem Jahr 2019 an, dass europaweit knapp 3 von 5 Beschäftigten unter Muskel-Skelett-Beschwerden leiden.3 Neben physischen Einflüssen - wie dem Tragen schwerer Lasten - identifizierten sie als Risikofaktoren für die Entstehung solcher Beschwerden auch psychosoziale Probleme wie arbeitsbezogenen Stress, allgemeine Erschöpfung und Beleidigungen am Arbeitsplatz.4

In einer Untersuchung aus dem Jahr 2018 gaben 18 % der befragten europäischen Beschäftigten an, jeden Tag Stress ausgesetzt zu sein und ganze 30 % fühlten sich so gestresst, dass sie in Betracht zogen, ihren Beruf zu wechseln.5 Stress kann zu Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat führen, da der Spannungszustand bestimmter Muskelgruppen erhöht wird.6 Das führt auf Dauer - vor allem in Verbindungen mit Körperfehlhaltungen - zu Problemen wie Rücken- oder Nackenschmerzen, weil beispielsweise Nerven eingeklemmt werden. Obendrein kann psychischer Stress dann zusätzlich noch die Schmerzempfindlichkeit erhöhen.7 Diese Schmerzen stellen dann auf Dauer wiederum selbst eine zusätzliche psychische Belastung dar, wodurch ein Teufelskreis entstehen kann. 

Wie man sieht, stehen Körper und Geist in einem engen Zusammenhang. Die Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz dient also nicht nur der Erhaltung und Förderung der psychischen Gesundheit, sondern kann auch bei der Vorbeugung „körperlicher“ Krankheiten eine Rolle spielen. 

Quellen:

1: https://osha.europa.eu/en/publications/msds-facts-and-figures-overview-prevalence-costs-and-demographics-msds-europe/view - Seite 11

2: www.statistik.at/wcm/idc/idcplg?IdcService=GET_PDF_FILE&RevisionSelectionMethod=LatestReleased&dDocName=121708

3: https://osha.europa.eu/en/publications/msds-facts-and-figures-overview-prevalence-costs-and-demographics-msds-europe/view - Seite 12

4: https://osha.europa.eu/en/publications/msds-facts-and-figures-overview-prevalence-costs-and-demographics-msds-europe/view – Seite 17/18

5: https://www.adp.co.uk/assets/vfs/Domain-3/Workforce-View-2018/ADP-Workforce-View-2018.pdf

6: Lundberg, U., Kadefors, R., Melin, B., Palmerud, G., Hassmén, P., Engström, M., & Dohns, I. E. (1994). Psychophysiological stress and emg activity of the trapezius muscle. International Journal of Behavioral Medicine, 1(4), 354–370.

7: Ahmad, A. & Zakaria, H. (2015). Pain in Times of Stress. Malays J Med Sci., 52-61. 

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