Institut für Gesundheit, Sicherheit und Ergonomie im Betrieb

Typische Verluste

Wir stellen in unseren betrieblichen Beratungen zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung fest, dass es in fast allen Unternehmen typische Fehlbelastungen gibt, die nicht nur die Beschäftigten belasten und die Arbeitsqualität senken, sondern auch Verluste im Unternehmen erzeugen. Hier sind einige Beispiele: 

Umgebungsbedingungen:

  • „Ich muss 100 Mal am Tag ein Schneidewerkzeug heben, das 15 kg hat. Nach der Hälfte brauche ich doppelt so lang dafür.“
  • „Wir können die Ware im Regal nicht erkennen, weil die Beleuchtung blendet.“

Lärm in der Produktion und im Büro, Mängel der Licht- und Beleuchtungssituation (zu dunkel, zu hell, fehlender Lichtschutz) und der Klimabedingungen (zu heiß, zu kalt, Zugluft, mangelnde Regelungsmöglichkeiten) sowie unergonomische und ineffektive Gestaltung und Auswahl von Maschinen, Anlagen und Werkzeugen.

Anforderungen-Ressourcen-Balance:

  • „Der Kunde wartet auf die Lieferung, aber der Lieferant hat uns nur die Hälfte des bestellten Materials geliefert, daher steht die Produktion jetzt und in Kürze werden wir wieder Mega-Stress haben, um die Zeit einzubringen“
  • „Jeden Tag ändern sich die Prioritäten und wir fangen immer wieder neue Dinge an und bringen nichts zu Ende“.

Aufgrund von Planungsmängeln, unvorhersehbaren Störungen (Lieferungen erfolgen nicht, Maschinen fallen aus, etc.) und quantitativen und qualitativen Personalengpässen können die erforderlichen Aufgaben immer wieder nicht in der erwünschen Qualität und Zeit umgesetzt werden. Es kommt ständig zu Ziel- und Prioritätskonflikten, Verzettelung, Qualitätsproblemen.

Information, Kommunikation, Wertschätzung:

  • „Die Planungsabteilung hört nicht auf uns, denn sie legt Dinge fest, die in der Praxis nicht umsetzbar sind und uns dann unnötig Zeit und Nerven kosten.“
  • „Für die gleichen Prozesse gibt es mehrere verschiedene einander widersprechende Formulare und auf das Problem haben wir schon mehrfach hingewiesen.“

Informationen fehlen, kommen zu spät, sind unvollständig und ungleich verteilt. Es gibt zu viel Einwegkommunikation (von oben nach unten), aber zu wenig Gehört werden, (positives) Feedback und Teilnahmemöglichkeit von unten. Dadurch entstehen Arbeitsverzögerungen, Missverständnisse, Fehler und Qualitätsmängel und das Gefühl mangelnder Wertschätzung.

Prozesse und Zuständige:

  • „Nicht bestellte Waren werden geliefert und blockieren den sowieso engen Lagerplatz. Niemand weiß, wer sie bestellt hat und wie man sie wieder los wird.“
  • „Die Liste mit den Zuständigen und den Stellvertretern ist nicht aktuell, wir telefonieren im Kreis, Kunden warten, weil sich keiner zuständig fühlt.“

Prozesse, Abläufe und Zuständigkeiten bzw. deren Änderungen sind nicht definiert, widersprüchlich oder nicht ausreichend dokumentiert und kommuniziert. Rückmeldungen der Beschäftigten über Prozessstörungen und -probleme werden nicht ernst genommen. Die daraus resultierenden Reibungen, Doppelarbeiten, Qualitätsprobleme verursachen neben Stress für die Mitarbeiter auch betriebliche Verluste.

Personalentwicklung:

  • „Wir haben zu wenig Stammpersonal und viele Leihkräfte. Die müssen wir aber ständig schulen und ihre Arbeit überwachen, sonst bekommen wir Probleme. Dadurch schaffen wir unsere eigene Arbeit viel weniger.“
  • „Ich habe keine Ahnung, wie ich mich hier weiter entwickeln könnte. Es ist für alle unklar, nach welchen Kriterien man bewertet, tariflich eingestuft und für Schulungen ausgewählt wird. Einige Kollegen haben ihre Ambitionen schon aufgegeben oder sind weggegangen.“

Es gibt keine Personalstrategie, z.B. welche Personalressourcen braucht das Unternehmen für welche Bereiche und Tätigkeiten quantitativ oder qualitativ? Wie erfolgt die Personalauswahl und Mitarbeiterentwicklung? Welche Aus- und Fortbildungen sind erforderlich? Welche jährlichen Schulungsziele gibt es und nach welchen Kriterien werden Entwicklungsgespräche mit Beschäftigten geführt? Das führt zu einem Zustand der Dauerimprovisation, der Intransparenz, der Vergeblichkeit von Engagement.