Institut für Gesundheit, Sicherheit und Ergonomie im Betrieb

EN ISO 10075 – Ergonomie-Norm zur psychischen Belastung

Psychische Belastung ist die Summe aller "Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken" (DIN/ÖNORM EN ISO 10075-1). Dabei bezieht sich der Begriff "psychisch auf kognitive, informationsverarbeitende und emotionale Vorgänge im Menschen" (DIN/ÖNORM EN ISO 10075-1).

Das ist beispielsweise das Hören, Sehen und Interpretieren von Information, Schlüsse ziehen, Entscheidungen treffen, Handlungen planen und umsetzen.

In Zusammenhang mit Arbeitsbedingungen resultieren solche psychisch wirksamen Einflüsse (Belastungsfaktoren) aus den Arbeitsanforderungen, den physikalischen Umgebungsbedingungen und aus sozialen und organisationalen Faktoren (DIN/ÖNORM EN ISO 10075-1). Diese Einflüsse können beeinträchtigend (Fehlbelastungen) oder förderlich bzw. unterstützend (Ressourcen) wirken.

Jede Arbeit ist mit physischen und psychischen Anforderungen verbunden. Stoßen diese Anforderungen aber an menschliche Grenzen, dann treten Fehlbeanspruchungen auf.


Beispiele für Fehlbelastungen

1) Lärm beeinträchtigt Kommunikation:
Bei einer Bäckereikette gibt es die Regel, dass die Eingangstüren im Sommer alle offen sein müssen. Durch den Lärm an einer Hauptverkehrsstraße kann das Verkaufspersonal die Wünsche der KundInnen kaum verstehen. Das Personal schreit laut, die KundInnen auch. Es kommt immer wieder zu Missverständnissen und ärgerlichen Reaktionen.

2) Softwareprobleme führen zu Blockierungen:
Die Lagerarbeiterinnen müssen in einer Lagerhalle Zahlencodes von Paketen ablesen und unter Zeitdruck bis zu Mittag in ein Softwareprogramm eintragen, das oft "abstürzt". Es passieren häufig Ablese- und Eingabefehler. Verzögerungen in der Auftragsabwicklung sind die Folge.

3) Widersprüchliche Arbeitsanforderungen:
In einer Warte treten im Alarmfall alle 3 Sekunden neue Alarme auf dem Bildschirm auf, die vom Mitarbeiter registriert und behandelt werden müssen. Zugleich läutet immer wieder auch das Telefon. Es werden Alarme übersehen und falsche Entscheidungen getroffen.

Die hier beschriebenen arbeitsbedingten psychischen Beeinträchtigungen könnten rasch und kostengünstig behoben werden und die betroffenen Personen könnten ihre Arbeit beeinträchtigungsfrei und effizienter erledigen.

Psychisch gesunde Arbeitsbedingungen

Wenn Menschen ständig damit zu kämpfen haben, unter beeinträchtigenden Bedingungen ihre Arbeit zu machen, führt das zu unterschiedlichen psychischen  und physischen Gesundheitsrisiken. Nachweislich zeigen verschiedene Studien, dass psychisch beeinträchtigende Arbeitsbedingungen die Fehlzeiten deutlich erhöhen. Liegen gleichzeitig auch körperliche Belastungen vor, steigt diese Zahl nochmals. Information zu diesem Thema bieten beispielsweise diese Publikationen des WIFO – Wirtschaftsforschungsinstituts (Zugriff: 18.02.2016)

Eine aktuelle Publikation der Deutschen „Initiative Gesundheit und Arbeit“  wertet im neuen iga-Report 32 „Psychische Belastungen in der Arbeitswelt" ca. 100 wissenschaftliche Artikel aus. Es zeigt sich auch hier, dass es Zusammenhänge zwischen Gesundheit und arbeitsbedingten psychischen Fehlbelastungen gibt: http://www.iga-info.de/fileadmin/redakteur/Veroeffentlichungen/iga_Reporte/Dokumente/iga-Report_32_Psychische_Belastung_in_der_Arbeitswelt.pdf (Zugriff: 18.02.2016)

Menschengerecht ist Arbeit dann, wenn sie ohne Fehlbelastungsfaktoren (z.B. qualitative/quantitative Überforderung, Unklarheiten bezüglich Zielen / Aufgaben / Kompetenzen, Arbeitsunterbrechungen, ungenügende Informationsgestaltung, hohe Komplexität, mangelhafte soziale Unterstützung / Feedback / Anerkennung, ungenügende Umgebungsbedingungen, etc.) und mit ausreichend Ressourcen (Vielfältigkeit und Ganzheitlichkeit der Aufgaben, Gestaltungsspielraum, Beteiligung, Lern- und Entwicklungsperspektiven, Zusammenarbeit und Rückhalt, etc.) ausgeführt werden kann.